G7 - Borbaradkampagne

4. Schlacht um Kurkum
Borbarads Schwarze Horden gegen die Amazonen
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3. Schatten der Vergangenheit (2)

In Kürze:

  • Schauplatz: Brinsacker Marschen im Sommer 1015 BF
  • ein seltsamer Wanderer mit dem Namen Grimmar Wulfen trifft mitten im Moor auf die Heldengruppe, mit der Intension die Monolithen zu untersuchen.
  • an einem der Monolithen wird ein Lager aufgeschlagen und durch Salaril Wissenshüter und Aurelian Fellersthal untersucht. Am Abend gräbt Grimmar heimlich unter dem Monolithen.
  • in der Nacht zieht ein seltsamer Nebel im Zelt auf und Lormegh, der Wache hielt wird von einem Kessel am Kopf getroffen und wird bewusstlos.
  • die Helden träumen alle den selben, seltsamen Traum. Dieser sagt scheinbar eine mögliche Zukunft voraus. Die Helden sehen sich an einem Tisch versammelt und sind vermutlich 20 Götterläufe gealtert. Es herrscht eine bedrückende Stimmung. Die Gefährten haben sich deutlich verändert. Der Großteil besitzt Waffen aus Schwarzstahl, das Rüstzeug ist zerfetzt und die Körper vernarbt. Auffälliger ist, dass Zahir einen seltsamen silbernen Handschuh trägt, Rowin Schuppen auf seiner rechten Hand hat und ein Auge Aurelians durch einen Roten Robin ersetzt worden ist.
  • die Helden wachen am nächsten Morgen auf und finden sich in einem überschwemmten Lager wieder. Salariel und Oreg fehlen. Aurelian fällt eine magische Kraft auf und nach einer kurzen Diskussion wird dieser gefolgt.
  • Sehr bald teilt sich die Spur in zwei Richtungen. Die Helden folgen der Spur nach Süden und treffen auf ein kleines Fischerdorf und Oreg, der verwirrt ist und von einer Frau mit flammenden Augen redet, die eine Flutwelle prophezeit, die das gesamte Land überschwemmen wird.
  • Die Helden verbringen die Nacht und wollen am nächsten Tag Salariels Spur folgen. In der Nacht hat die Gruppe einen zweiten Traum, indem 9 Elfen um einen Monolithen stehen und vermutlich mit einem Ritual beschäftigt sind. Anschließend verschmilzt ein Elf mit dem Monolithen, dabei geht das Wasser zurück.
  • Die Gruppe schlußfolgert, dass mit Hilfe der Monolithen ein elfisches Ritual stattfindet, dass über die Zeit das Wasser des Ozeans zurückhält und Enqui und die Umgebung vor einer Überschwemmung bewahrt.
  • Oreg wird am nächsten Morgen Tot aufgefunden und die Helden verfolgen Salariels Spur.
  • in einem Obsthain bei einem weiteren Monolith erscheint Salariel mit Feuerroten Augen und es kommt zu einem erbitterten Kampf gegen viele Skelette. Der Kampf scheint verloren als Lorgmegh und Gerion durch die schweren Hiebe der wiedererstehenden Skelette zu Boden gehen. Auch Rowin ist der Übermacht von sechs Skeletten, die ihn umzingeln nicht gewachsen und wird von einem Pfeil eines hochelfischen Skelettes, dessen Köcher sich wie durch Phexens Hand immer wieder befüllt, niedergeschossen. Wie durch ein Wunder der Leunin selbst rappelt sich Lormegh wieder auf die Beine und versetzt Salariel den Kampfwendenen Schlag, worauf die Untoten zu Boden fallen. Daraufhin versetzt Lormegh dem Hochelfischen Skelett den Todesstoß und der Kampf ist gewonnen.
  • Ein elfischer Geist erscheint aus Salariels Körper und die Helden finden sich vor einem unlösbaren Rätsel.
  • doch an diesem Tage sollte Hesinde jenem Offizier vom Berg hold gewesen sein. Der Mann, der sein Leben nur mit Kampf, Taktik und Krieg verbracht hatte kam auf des Rätsels Lösung die hiesigen Hexen um Hilfe zu bitten.
  • Grimmar holt mit Hilfe eines Dschinnes heimlich einen Gegenstand unter dem Monolithen hervor.
  • Natascha versprach, dass sie und ihre Schwestern das Ritual aufrecht erhalten würden, als Gegenleistung sollten sie jene Rechte bekommen, die einem Bürger aus Enqui zustanden. Zusätzlich sollten sie die Erlaubnis erhalten ihrem Hexenhandwerk ohne Einschränkungen nachzugehen.
  • Nach der guten Nachricht verließ die Gruppe nach einigen Tagen endlich diesen ungastlichen Sumpf und trennten sich. Rowin, so sagte er machte sich nach Warunk auf, um sich dort um die tobrische Sicherheit zu kümmern. Gerion verschlug es auch in die Gegend, während es Aurelian nach Hause zog, zu seiner Frau in Punin. Der Rest der Gefährten hatten noch keine konkreten Pläne, zumindest wurden sie nicht geäußert.
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2. Schatten der Vergangenheit

In Kürze:

  • Schauplatz: Enqui (Golf von Riva) und Brinsacker Marschen im Sommer 1015 BF
  • Zahir empfängt neue Befehle in der Gaststätte Svelltor in Enqui; Observation des Puniner Magus Salaril Wissenshüter; Aufbruch zum Hafen
  • Dort Treffen auf Aurelian; Rückkehr zur Gaststätte in der Mirona ya Menario anwesend ist; Gerion Steinhauer erreicht ebenfalls die Taverne
  • Nach freundlicher Begrüßung bricht Zahir aufgrund eines Steckbriefes von Salaril, der sich in der anderen Gaststätte, dem “Alten Palast”, aufhalten soll, dorthin auf
  • Im Alten Palast anwesen: Rowin (macht Geschäft mit Salid) Lormegh (Überwacht Streit seines Auftraggebers Brinwulf mit Ursan; Schiff darf Hafen nicht verlassen; Waffenlieferung zu spät angekommen, deswegen doppelte Menge verlangt) Salaril (im Rausch und von Nivesenlustsklaven in der Ecke “festgehalten”) ein vernarbter Schwarzgewandeter (an der Bar) Kraschox (Wirt/Zwerg)
  • Eskalation des Streites Brinwulf – Ursan; Kampf im “Alten Palast”
  • Lormegh bringt Brinwulf in Sicherheit und tötet dabei Ursan und seine Söldner
  • Salid attackiert Rowin, der sich daraufhin am Kampf beteiligt; Salid stirbt
  • Der vermummte, Unbekannter Schuft greift Zahir mir einem Wurfmesseran an und flüchtet. Daraufhin bringt Zahir Salaril in Sicherheit
  • Aurelian und Gerion haben ein schlechtes Gefühl, dass Zahir so lange fehlt, eilen zum “Alten Palast” und greifen zum Schluss in den Kampf ein
  • Nach dem Kampf trifft sich die Gruppe im Svelltor und klärt wie es zur Eskalation gekommen ist; Lormegh befragt Gefangenen
  • Salaril heuert alle Helden für die Expedition in die Brinsacker Marschen an; Vier schwarze Monolithen, die Türme des Schweigens müssen besucht, untersucht und kartographiert werden
  • Die Helden suchen einen Führer -> Oreg im Hafen; treffen auf eine Prozession Swafnirgläubiger (Konflikt Swafnirgeweihte <> Walfänger der Stadt, daraus resultierte Armut/Spannung); Mord an dem Bruder des Swafnirgeweihten
  • Anheuerung Oregs und abendliche Auseinandersetzung mit Mirona ya Menario; Aufbruch am nächsten Morgen in die Marschen
  • In der Nacht seltsame Geräusche aus dem Keller (Kampfeslärm); Rowin wird verletzt und in zerissener Garnitur hinter verbarrikadierter Kellertür gefunden; Beharrt auf Gedächtnisverlust
  • 1.Tag: Erster Monolith wird erreicht (auf einer Insel / verschluckt Geräusche); In der Nacht Alptraum Gerions
  • 2.Tag: Zweiter Monolith wird erreicht (Kräutergarten / Rowin findet Roten Drachenschlund); Natasha Schwarzmoor erscheint; Entschließt sich Gerion bei seinen Alpträumen und Rowin bei seiner Krankheit nach Beratung im Zirkel zu helfen
  • Brachialer Kampf zwischen den Helden und 10 Orks; Die Gruppe siegt; die gekuttete Person entkommt mittels Transversalis

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1. Auf Aves' Spuren

In Kürze:

  • Schauplatz: Weiden (Gegend um Nordhag) im Frühjahr 1011 BF
  • NPCs: Mirona ya Menario, Brin Altacker, Ismelda Perainelieb, Schmied Gorm, Hexe Illida

  • Rowin, Gerion und Aurelian kommen in Gaststätte Travialieb zusammen (vor Nordhag)
  • ebenfalls anwesend: Mirona ya Menario (Brabaker Schwarzmagierin, untersucht orkische Boronsanger; Aurelian spürt bei ihr “Aura der Gefahr”), Brin Altacker (erfahrener Krieger, unfreundlich)
  • Zahir trifft ein und berichtet von Belagerung v. Gerions Banner in Turmruine durch Orks
  • Helden brechen zum Turm auf und triumphieren zusammen mit Gerions Soldaten (Daria, Ylia, Dalef, Ingolf, Adjutant Alrik Unterberg) im Kampf gegen die Orks
  • Helden brechen zum Dorf Schattenhain auf (drohender Überfall der Orks, die während der Belagerung der Turmruine abgezogen waren)
  • während Reise: seltsame Begegnung Aurelians (im Traum?) mit aves-ähnlicher Gestalt, die ihm Frage stellt: “Opfer bringen, um größeres Unglück zu verhindern oder tatenlos bleiben?” -> Aurelian: “Opfer bringen.”
  • Helden treffen nach schwieriger Überquerung eines Flusses in brennendem Dorf Schattenhain kurz nach Ork-Überfall ein (Orks wurden angeführt von schwarzgekutteter Gestalt mit Stab) -> Peraine-Geweihte Ismelda Perainelieb entführt
  • Erkenntnisse d. Helden: Ziel d. Orks womöglich Grabmal eines ihrer Krieger (-> Beschwörung?); “Kräuterfrau” Illida (von Schmied Gorm als Hexe aus Dorf gejagt) weiß etwas über Standort d. Grabmals
  • Illida (Vertrauter -> Hexe) verlangt als Gegenleistung für Informationen Ring, den Gorm ihr angeblich abgenommen hat
  • Gorm gibt Ring nicht her -> Zahir setzt ihm Dolch an die Kehle (unbeobachtet von Gefährten) -> Ring wird Illida übergeben, Helden erfahren daraufhin Standort d. Grabmals
  • kleines Blutopfer als Bedingung, um Grabmal zu betreten (hält Rowin + Gerion zunächst davon ab, Grabmal zu betreten)
  • drinnen: große Halle (ca. zehn Ork-Krieger), dahinter kleiner Raum, in der Beschwörung stattfindet (Peraine-Geweihte Ismelda auf Altar gefesselt, Ork-Schamane und schwarzgekuttete Gestalt tanzen um sie herum, Blut fließt von Altar in Blutgruben)
  • verlustreicher Kampf, Gerion besiegt mit finaler Kraftanstrengung die letzten Ork-Krieger und den Schamanen; Schwarzgekuttete/r verschwindet mittels Transversalis
  • Soldatin Ylia überlebt als einzige neben Ismelda und den Helden; Gerion verschwindet, bevor die anderen zu sich kommen

Ausführlich:

Viel ist geschrieben worden über die Helden, die den Dämonenmeister Borbarad besiegten und allerorten als Die Gezeichneten bekannt sind. Doch wie entstand eigentlich diese bunt zusammengewürfelte Truppe, deren Band der Treue derart stark ist, obwohl die einzelnen Charaktere doch so verschieden sind? Wie fanden Gerion Steinhauer vom Berg, Rowin Raul Sieglieb von Weiden, Aurelian Fellersthal, Zahir von und zu Wiedenfest, Grimmar Wulfen und Lormegh bren Gorwan zueinander? Hier soll die Geschichte erzählt werden, wie sich vier von ihnen erstmals trafen.

Nun – von Zufall will im Zusammenhang mit den Gezeichneten wohl niemand sprechen, dennoch deutete bei ihrer ersten Begegnung noch nichts daraufhin, wie bedeutsam ihre kleine Gemeinschaft einmal sein würde. Der Ort ihrer ersten Zusammenkunft war demnach auch denkbar unspektakulär: Eine kleine Straße in Weiden…

Aurelian war im Frühjahr des Jahres 1011 BF gerade ein frischgebackener Adeptus minor, der von der Akademie zu Perricum schnurstracks nach Weiden gereist war, um sein ganzes Herzblut im Kampf gegen die Schwarzpelze zu geben – da jene Tage mittlerweile unendlich weit weg erscheinen, soll dem geneigten Leser an dieser Stelle in Erinnerung gerufen werden, dass sich das Mittelreich damals kurz vor dem Orkensturm befand. Und die Thuranische Legion war zu dem Zeitpunkt auch noch kein Symbol für die verheerenden Verluste des Mittelreichs, sondern gerade erst ausgehoben worden – und voller tatendurstiger Soldaten…

Eben dieser Truppe wollte auch Aurelian unbedingt beitreten; seine Tauglichkeit sollte er unter anderem dadurch beweisen, indem er einem gewissen Zahir von und zu Wiedenfest einen Brief überbrachte (richtig, genau der Zahir, welcher später zum Vierten Gezeichneten wurde und damals noch für die KGIA arbeitete….).

Rowin von Weiden und Hauptmann Gerion Steinhauer, die beiden vollendeten Kämpfer, hielten sich ebenfalls gerade in der Gegend auf; Gerion, um zu seinem Banner Soldaten zu stoßen, Rowin, weil er ebenfalls gegen die Orks zu Felde ziehen wollte.

Nachdem sie sich auf der Straße nach Nordhag getroffen hatten, kamen Rowin und Aurelian ins Gespräch und man beschloss, in der nahe gelegenen Taverne Travialieb die Nacht zu überdauern. Auch Gerion fand sich dort ein und Wirt Irian Sprichbrecher erzählt heute noch allen, die es hören wollen, wie auch jenen, die dies eigentlich eher nicht tun, von jenem denkwürdigen Abend. Außer den späteren drei Gezeichneten waren schließlich auch noch Mirona ya Menario und Brin Altacker seine Gäste. Beide sind dem Wirt gut in Erinnerung geblieben, vor allem Brin, der schon damals mit den Gezeichneten aneinander geriet (allerdings nur rein verbal…).

Und Mirona? Nun… Die schöne und berühmt-berüchtigte Schwarzmagierin, welche später für den Tod Tulefs verantwortlich sein würde, hatte einen Haufen obskurer Bücher vor sich ausgebreitet. Angeblich war sie in der Gegend, um orkische Boronsanger zu untersuchen – leider schenkte man ihrem Treiben zu dem Zeitpunkt noch wenig Beachtung…

Schließlich platzte auch Zahir in die Gaststätte, seine Kleidung zerrissen, er selbst erschöpft und ausgezehrt. Zudem hatte er schlimme Neuigkeiten im Gepäck: Wenige Meilen entfernt würden Orks eine Turmruine belagern, in der sich einige mittelreichische Soldaten verschanzt hätten: Gerions Banner! Oder zumindest das, was von ihm übrig war… Der Hauptmann zögerte natürlich keine Sekunde lang, seinen Leuten zu Hilfe zu eilen, und angesichts der offenkundig verzweifelten Lage seiner Soldaten beschlossen auch Rowin und Aurelian, Zahir und Gerion zu begleiten und den Orks einen gehörigen Denkzettel zu verpassen. Schließlich war ja man genau aus dem Grund tagelang auf von Regen aufgeweichten und verschlammten Wegen gereist, hatte gefroren und verschimmeltes Brot hinuntergewürgt: Um Schwarzpelze zu finden – und zu töten!

Da er seine Sache gut machen wollte, übergab Aurelian dem KGIA-Agenten sogleich auch seinen Brief. Sofern darin bahnbrechende Neuigkeiten auftauchten, ließ es sich Zahir nicht anmerken, aber immerhin genügte der Name des Unterzeichners, dass Gerion Zahir sein Vertrauen schenkte – wiewohl der Hauptmann von nun an natürlich auch über Zahirs Tätigkeit bei der damaligen mittelreichischen Geheimorganisation Bescheid wusste…

Nachdem die Gruppe überstürzt aufgebrochen war, versorgte Zahir seine neuen Mitstreiter mit den wichtigsten Informationen: Eine Horde Orks von vielleicht zwei Dutzend Kämpfern (und einer Art Schamane, wie Zahir mit düsterer Miene hinzufügte) hatte Gerions Banner überfallen, welches sich nur mit schweren Verlusten in eine nahegelegene Turmruine hatte retten können. Doch offenbar hatten sich auch die Orks zurückgezogen, in einen nahegelegenen Wald.

Schon bald erreichten die vier Gefährten besagten Schauplatz; still und heimlich erklomm man die Turmruine von der Rückseite aus. Das Bild, das sich den tapferen Recken bot, war – vor allem für Gerion – ein Schock: Nur noch fünf Soldaten harrten hinter den Mauern aus, zwei von ihnen verletzt! Hauptmann Gerions Adjutant, Alrik Unterberg, klärte die Neuankömmlinge sogleich auf: Die Orks warteten immer noch im Wald am Fuße der Turmruine (Zahir konnte durch eine ebenso dreiste wie brillante Spähaktion ihre Zahl auf ein knappes Dutzend beziffern), außerdem war ein Teil von ihnen abgezogen. Alrik vermutete, dass sie sich irgendwo sammelten, um dann mit vereinter Kraft zuzuschlagen.

Planten die Schwarzpelze etwa eine größere Operation; etwas, das über ein paar vereinzelte Überfälle auf mittelreichische Patrouillen hinausging? Nun, damit konnte man sich später beschäftigen, denn kaum nachdem die gröbsten Wunden der Soldaten versorgt worden waren und der befehlsgewohnte Gerion das Heft in die Hand genommen hatte, erstürmten die Orks unter markerschütterndem Gebrüll den Hügel, auf dem die Turmruine ruhte.

Was die Schwarzpelze nicht wussten: Oben warteten keine Geringeren als die künftigen Gezeichneten auf sie. Und so war es Gerions taktischem Geschick, Zahirs tödlicher Präzision, Aurelians unbarmherzig hinunterschießenden Flammenstrahlen und Rowins furchteinflößendem und immer und immer wieder herabsausendem Schwert zu verdanken, dass nur zwei der Soldaten beim Gemetzel in der Turmruine sterben mussten…

Trotzdem befanden sich die Überlebenden in keiner beneidenswerten Situation: Sollten sie zur einige Wegstunden entfernten Burg reisen, um Bericht zu erstatten, die eigenen Wunden zu lecken und Verstärkung anzufordern? Oder war es nicht doch viel dringlicher, die Orks aufzuhalten, welche womöglich gerade marodierend durch die Lande zogen? Zu allem Überfluss war einer von Gerions Soldaten auch noch so schwer verletzt, dass er schnellstmöglich Heilung und eine ordentliche Liegestatt benötigte. Schließlich beschloss die Gruppe, sich unverzüglich zum Dorf Schattenhain aufzumachen, weil man dort einen erneuten Überfall der Orks vermutete. Gerions Untergebene wurden beauftragt, ihren verletzten Kumpanen zu einem Heiler zu bringen.

Auf dem Weg nach Schattenhain passierte Aurelian etwas, was er in seinen späteren Lebensjahren vermutlich als erbärmliche Illusionsmagie abgetan und keiner Menschenseele davon erzählt hätte, was ihn aber damals, mitten in der Nacht in einem kleinen Wäldchen vor Schattenhain, gehörig aus der Fassung brachte.

Der Weißmagier war für die Nachtwache eingeteilt gewesen, nickte währenddessen jedoch ein. Ob er das Darauffolgende nur träumte oder im Wachzustand erlebte, vermochte nicht einmal er selbst zu sagen, als er sich später wieder und wieder den Kopf über den Vorfall zerbrach; jedenfalls tauchte neben dem Rastplatz der Gefährten unvermittelt eine seltsame Gestalt auf, anmutig und mit einer Feder auf dem Hut – Aurelian erzählte später, er fühlte sich ein wenig an den Halbgott Aves erinnert (sprach man ihn ein paar Jahre danach auf diese Aussage an, lachte er sein Gegenüber allerdings nur noch aus; wiederum später reagierte er nicht einmal mehr auf Fragen nach dieser mysteriösen Begegnung).

Die Gestalt stellte Aurelian eine simple Frage: Würde er, Aurelian, ein Opfer bringen, um größeres Unglück zu verhindern, oder würde er tatenlos bleiben, in diesem Falle aber heil aus der Situation herauskommen? Aurelian kümmerte sich nicht weiter darum, wer dieser Kerl war und woher er seinen Namen wusste, sondern gab als Antwort, er würde den entbehrungsreichen, steinigen Weg (was niemanden überraschen wird, der sich ein wenig mit dem Weißmagier und seinem harten Leben beschäftigt hat – war dieses doch bis zur letzten Sekunde Borbarad und seiner Vernichtung gewidmet…).

Natürlich nahm dem Magier niemand diese Geschichte ab, auch nicht seine Gefährten (sogar er selbst zweifelte ja an seinem Verstand, wie er mir Jahre danach noch glaubhaft versicherte). Aber er schwor, es habe eine Feder auf seinem Reisemantel gelegen, als er am Morgen erwachte. Allerdings behauptete er, der Gestalt an einer Weggabelung begegnet zu sein; bei Tag führte ihre Reisepfad allerdings nur noch in eine Richtung – und wer will schon ernsthaft behaupten, dass ganze Wege einfach so über Nacht verschwinden?

Auch hatte Aurelian weder Zeit noch Muße, sich Gedanken über dieses seltsame Erlebnis zu machen, sollten sich die Ereignisse nämlich von nun an überschlagen: Nach der nicht ganz ungefährlichen Überquerung eines reißenden Stromes trafen die Gefährten im Dorf Schattenhain ein – doch zu spät: Ganz Schattenhain stand in Flammen, die Orks hatten ihr götterlästerliches Werk also bereits vollendet. Gerade waren sie im Abzug inbegriffen – aber Moment, was war das? Ihr Anführer war mit Sicherheit kein Ork, sondern vielmehr eine schwarzgewandete, großgewachsene Gestalt mit einem Stab in der Hand! Ob männlich oder weiblich war schwer zu sagen…

Sogleich eilten die Helden den Bewohnern , halfen, so gut es ging, beim Löschen der Häuser, retteten die Menschen aus den Flammenhöllen und beruhigten die völlig verstörten Kinder, Männer und Frauen. Und das war keine leichte Herausforderung, hatten die armen Dörfler doch nicht nur Familienangehörige und Freunde verloren, sondern auch ihre Peraine-Geweihte: Ismelda Perainelieb war von den götterverfluchten Schwarzpelzen entführt worden!

Nicht zuletzt deswegen schien Schmied Gorm, der Wortführer im Dorf, jeglichen Lebensmut verloren zu haben. Nur mit Mühe konnten die Helden ihm klarmachen, dass die Bürger Schattenhains in jener Stunde der Not auf ihn und seine Führung angewiesen waren. Recht bald konnte Gorm dann aber auch schon wieder anständig fluchen, und nach kurzer Zeit erfuhren die Helden von einem Grabmal, in dem angeblich ein orkischer Krieger bestattet war, der von den Seinen in höchstem Maße verehrt würde. Könnte dieser unheilige Ort das Ziel der Dämonenanbeter sein?

Gorms Sohn entpuppte sich an dieser Stelle als große Hilfe für die vier Gefährten, als er meinte, eine gewisse Illida könnte vielleicht mehr über das Grabmal wissen. Illida war laut ihm früher die Kräuterfräu des Dorfes gewesen, bis sie fortgejagt – ‘autsch’ ... Die anschließende Backpfeife, die Gorm seinem Sohn verabreichte, musste wirklich wehgetan haben… Der Schmied selbst beschimpfte daraufhin abwechselnd seinen Sohn und Illida, die für ihn eine Hexe und schuld an allen Missernten der vergangenen Jahre war, und zog anschließend wutentbrannt von dannen.

Die Helden merkten schnell, dass sein Sohn seine Ansichten nicht wirklich teilte, und beschlossen, bei dem Jungen nachzuhaken. Mehr oder weniger bereitwillig erzählte der dann auch, sein Vater höchstpersönlich hätte Illida damals als Hexe verunglimpft und sie in Schimpf und Schande aus dem Dorf getrieben. Ob er Illida auch hasste? Der Schmiedsohn druckste etwas herum, aber das Bild, das dadurch von Gorm gezeichnet wurde, war deutlich genug: Mal wieder ein Fanatiker mehr – die Helden beschlossen, dem Schmied mit etwas mehr Vorsicht zu begegnen…

War Illida womöglich eine gutmütige, alte Kräuterfräu, der nur aufgrund des blinden Hasses eines geltungssüchtigen Mannes Unglück widerfahren war? Nun, als Zahir, Gerion, Rowin und Aurelian bei Illidas Haus ankamen (den Ort hatte den Gefährten Gorms Sohn verraten), wurden sie nicht wirklich freundlich empfangen. Fast hätte Illida die Helden fortgejagt und als die Helden ihr Anliegen vortrugen, reagierte sie eher gehässig. Zwar schien sie völlig immun gegen Betuerungen und Bitten vonseiten der Helden zu sein, aber immerhin zeigte sich Illida ein wenig gesprächsbereit: Sie würde den Standort des Grabmals preisgeben, wenn die Vier eine Prüfung ablegten; eine Prüfung entweder des Wagemuts oder der Geschicklichkeit. Kaum dass sich die Helden sich für Letzteres entschieden hatten, bereuten sie (oder zumindest die meisten unter ihnen) auch schon den zweifelhaften Handel: Die verfluchte Schlampe wollte die Gefährten doch tatsächlich zum Diebstahl anstiften! Nichts weniger als einen edlen Ring wollte sie, den Gorm angeblich immer an der Hand trug…

Nun, die Helden mussten zu diesem Grabmal, also blieb ihnen wohl nichts anderes übrig, als sich den Ring unter den Nagel zu reißen. Allerdings war man sich schnell einig: Einen Diebstahl würde keiner begehen wollen – man würde doch nicht einen Mittelreicher beklauen (auch wenn er, wie Gorm, kein Mensch ohne Fehl und Tadel war), und obendrein auch noch das eigene Seelenheil aufs Spiel setzen, nur damit sich jene ehrlose Frau einen goldenen Ring auf den Finger stecken konnte! Vielmehr würde man Gorm klip und klar sagen, Ismelda könnte nur gerettet werden, wenn Illida den Ring bekäme; und notfalls würde man dem Schmied das Schmuckstück eben abkaufen – aber Diebstahl? Niemals! (Nur Zahir unterstützte die flammenden Reden seiner Gefährten über Ehrbarkeit und Wahrhaftigkeit seltsamerweise nicht…)

Natürlich gestaltete sich alles nicht ganz so einfach, wie die Recken sich das so vorgestellt hatten: Gorm gab den Ring nicht her, nicht für Geld und gute Worte. Als die Helden den Namen Illidas ins Spiel brachten, wurde er gar ungehalten und zeigte sich völlig ablehnend. Doch dann – ein Sinneswandel: Eine Sekunde vorher war Gorms Miene ein einziges “nein” gewesen, doch urplötzlich wurde er kreidebleich. Nachdem der Schmied, am ganzen Leib zitternd, den Ring ausgehändigt hatte, verschwand er, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Den Vieren war das Verhalten Gorms natürlich ein Rätsel – nun, ‘vier’ ist nicht ganz richtig, denn ich habe da meine Vermutungen, was – oder besser gesagt ‘wer’ – Gorm dazu bewogen hat, so ohne Weiteres auf seinen kostbaren Ring zu verzichten. Sagen wir es so: “Der Zweck heiligt die Mittel” war immer das Motto einer gewissen Geheimorganisation gewesen…

Wie dem auch sei, Illida zeigte sich erfreulicherweise sehr kooperativ, als sie den Ring erhielt (in den irritierenderweise ??? eingraviert war, was die Helden in ruhigeren Zeiten wohl auf so manchen erhellenden Gedanken hätte bringen können – nicht aber, wenn ein Menschenleben in Gefahr war), und die Gefährten machten sich sogleich auf den Weg, froh, der unheimlichen Person entkommen zu sein (und nicht zuletzt ihrer schwarzen Katze, deren bohrender Blick so manchen Basilisken vor Neid hätte erstarren lassen…).

Den Göttern sei Dank waren auch Gerions Soldaten wieder dazugestoßen – ihr Kampfesmut, den sie im Gemetzel in der Turmruine gezeigt hatten, ließ bei so manchem der vier Helden einen gewaltigen Stein vom Herzen fallen.

Das Grabmal selbst war nicht schwer zu erreichen – hineinzukommen jedoch sehr wohl… Ich weiß nicht, wie lange die tapferen Recken vor dem riesigen Steinquader standen und teils angewidert, teils entsetzt in eine davorstehende Schale starrten, auf deren Grund verbranntes Blut klebte – verbranntes Blut? Oh ja, das klingt zwar unmöglich, aber in dieser Schale, so versicherten mir die wackeren Recken hoch und heilig (und in einem nüchternen Zustand), befand sich verbranntes Blut.

Als schließlich die verzweifelten Schreie einer Frau aus dem Inneren des Grabmals ins Freie drangen, fasste sich Aurelian ein Herz. Er träufelte ein paar Tropfen Blut in die Schale, aus der es daraufhin zu qualmen begann, und siehe da: Vor ihm öffnete sich ein Tor! Ohne zu Zögern sprang der Magier hinein, den Magierstab fest umklammert. Was auch immer dort hinter ihm wartete, er würde einen saftigen Hieb in seiner Fratze landen!

Das Grabmal war riesig: Aurelian blickte auf eine große Halle, er selbst stand in zehn Schritt Höhe auf einer Art steinerner Empore, die einmal ringsum lief. An das hintere Ende der Halle grenzte ein kleiner Raum, in dem zwei Personen um einen Altar tanzten, auf dem jemand lag. Wenn man genauer hinsah, konnte man die beiden als den schwarzgekutteten Anführer des Ork-Überfalls und den Schamanen der Schwarzpelze identifizieren, und auf dem Altar – Aurelian sank das Herz in die Hose – lag niemand anderes als die gefesselte Ismelda, ihres Zeichens Peraine-Geweihte in Schattenhain… Voller Entsetzen bemerkte Aurelian, dass Blut vom Altar in Rinnen hinablief und in zwei Blutgruben floss, die sich in der Mitte der Halle erstreckten.

Den Magier packte die kalte Wut. Er musste diese Gottlosen davon abhalten, ihr widerwärtiges Ritual zu vollenden! Er musste Ismelda retten!

Doch leichter gesagt, als getan: In der Halle lungerten zehn Schwarzpelze herum, es würde schwierig werden, an denen vorbeizukommen, da nur die Seitenwände der Blutgruben notdürftig Deckung boten. Und auf der anderen Seite konnte man von der Empore aus nicht in den Raum blicken (oder schießen…).

Aurelian wirbelte herum und wollte, in der Erwartung, seine Gefährten wären ihm in das Grabmal gefolgt, diese fragen, wie sie denn die Lage einschätzten (oh ja, es gab mal eine Zeit, als der Erste Gezeichnete andere noch um Rat fragte…). Doch hinter ihm stand niemand. Der Magier war irritiert – es hatte sich doch ein Tor geöffnet, direkt vor ihrer aller Nasen! Waren Rowin, Gerion, Zahir und die anderen, die doch schon so oft ihre Tapferkeit unter Beweis gestellt hatten, nicht manns genug, diese unheilige Stätte zu betreten? Das konnte nicht sein!

Wieder draußen, sah der Magier seine Kameraden unschlüssig herumstehen. Als diese Aurelian erblickten, zuckten sie zusammen, als wären sie geradewegs vom Zorn Rondras getroffen worden. Sogleich wollten Gerion, Rowin und Zahir ihrem Gefährten folgen, doch sie prallten am Durchlass ab, wie an einer unsichtbaren Mauer.

Der KGIA-Agent begriff als erster: Kurz entschlossen fügte er sich ebenfalls eine kleine Schnittwunde zu und presste einige Blutstropfen in die Schale. Offenbar konnte auch er nun passieren, denn kurze Zeit stand Zahir neben Aurelian. Dieser blickte die Restlichen erwartungsvoll an. Doch Gerion und Rowin zögerten – ihre Mienen verrieten puren Abscheu angesichts der Vorstellung, ein orkisches Blutopfer zu bringen.

Aurelian verstand das nicht – schließlich wurde in diesem Grabmal eine Peraine-Geweihte gefoltert! – doch es blieb keine Zeit für endlose Debatten. Zahir und er beschlossen, die Schwarzpelze alleine von dieser Welt zu tilgen.

Nun… Wäre ich dabei gewesen, hätte ich ihnen sagen können, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen ist, zu zweit gegen ein Dutzend Schwarzpelze, einen Schamanen und einen Schwarzgekutteten anzutreten, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach als ein mächtiger Magier entpuppen würde. Aber da die beiden damals eben noch zwei Grünschnäbel waren, muss man ihnen nachsehen, dass Zahir versuchte, alleine an den Orks vorbeizuschleichen, während Aurelian ihm von der Empore aus Rückendeckung versprach (er beherrschte den Ignifaxius damals schon recht ordentlich – wenn auch nicht so ordentlich, dass er zwölf Orks auf einen Streich niederstrecken hätte können…).

Zahir gelang es, einen Schwarzpelz zu meucheln, bevor die anderen auf ihn aufmerksam wurden und auch Aurelian wurde mit Wurfbeilen unter Beschuss genommen. Jedenfalls konnten die zwei von Glück sagen, dass ihnen ihre Gefährten just in diesem Moment zu Hilfe eilten. ... Und so wurden Zahir und Aurelian nicht abgeschlachtet – sondern nur beinahe…

Es war ein blutiger Kampf, in dessen Zuge zwar viele Schwarzpelze niedergemetzelt wurden, aber neben Gerions Soldaten auch jeder einzelne der Helden zu Boden ging – jeder einzelne? Nicht ganz, der Hauptmann stand bis zuletzt und sorgte dafür, dass das Leben der späteren Gezeichneten nicht schon im Jahr 1011 BF ein ruhmloses Ende nahm.

Furchtlos hackte und stach sich der Hauptmann unermüdlich seinen Weg zum ALtar. Als ihm der Weg versperrt wurde, sprang er beherzt in eine der Blutgruben, und schließlich stand er vor den beiden Dämonenanbetern. Doch Gerion streckte nicht bloß den Schamanen nieder, nein… Gleichzeitig focht er auch gegen vier weitere Orks und fällte schließlich den letzten von ihnen mit einem gewaltigen Streich seines Schnitters. Was die schwarzgekuttete Gestalt betrifft, so vermute ich anhand dessen, was mir erzählt wurde, dass sie sich mit einem Transversalis Teleport aus dem Staub gemacht hat… Was kann man anderes erwarten, von feigem Dämonengezücht?

Hatte also alles ein gutes Ende genommen? Ismelda war gerettet worden, das wohl, aber zu welchem Preis? Zwar konnte die Peraine-Geweihte die halbtoten Helden wie auch Soldatin Ylia heilen, doch deren Kameraden hatten bereits die lange Reise zu Boron angetreten…

Und Gerion? Der war wie vom Erdboden verschluckt… Die Helden konnten sich keinen Reim darauf machen, warum ihr Gefährte verschwunden war, doch im Grunde musste es so kommen; schließlich hatte Gerion seinen Kameraden in einer vertrauensvollen Stunde gestanden, er hätte bisher nur Unglück über all diejenigen gebracht, die mit ihm gereist waren – und könnte deshalb nur alleine reisen… Diese Prophezeiung hatte sich früher erfüllt, als er vermutlich selbst erwartet hätte.

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